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GESCHICHTE DER AUTORENBUCHHANDLUNG BERLIN

 
1976 waren wir noch Kinder. Ein Stuttgarter Gericht lehnt den Antrag der Verteidigung ab, die Baader-Meinhof-Häftlinge als Kriegsgefangene zu behandeln. In Ost-Berlin wird der “Palast der Republik“ eröffnet. Romy Schneider dreht ''Gruppenbild mit Dame'' nach dem Roman von Heinrich Böll. Der Hallenser Pfarrer und politische Aktivist Oskar Brüsewitz klagt das DDR-Regime an, übergießt sich mit Benzin und stirbt wenig später an den Folgen seiner Selbstverbrennung. Wolf Biermann spricht laut von einer „Republikflucht in den Tod“. Namhafte DDR-Schriftsteller folgen am 17. November einer Initiative von Stephan Hermlin, verfassen eine Protestnote gegen Biermanns Ausbürgerung, die von über 100 bedeutenden Künstlern der DDR unterschrieben wird. Das SED-Regime bewegt dies nicht, bewirkt wohl aber die Ausreise von Sarah Kirsch, Manfred Krug, Jurek Becker sowie den gesellschaftlichen Rückzug von Christa Wolf. Die USA feiern 200 Jahre Unabhängigkeit und führen die Todesstrafe wieder ein. Mit Mao Tse-tungs Tod endet die Kulturrevolution, seinem diktatorischen Machtapparat sind bis dahin Millionen Menschen zum Opfer gefallen. Pasolinis Film „120 Tage von Sodom“ wird bundesweit beschlagnahmt. Die argentinische Militärjunta stürzt Isabel Péron und führt das Land in eine barbarische Vernichtungsaktion gegen linke Oppositionelle. Die USA und UdSSR treffen ein Abkommen über unterirdische Atomversuche. Zwei Jahre nach dem Zusammenbruch der Diktatur in Portugal bilden die Sozialisten unter Parteiführer Soares eine Minderheitsregierung. Martin Heidegger stirbt. Ulrike Meinhof erhängt sich in Stuttgart-Stammheim in ihrer Zelle. Die US-Sonde Viking I übermittelt erste Funksignale mit Forschungsdaten vom Mars. In Irland gründet sich die Rockband U2, „Oxygène“ von Jean Michel Jarre eröffnet ein noch nie da gewesenes Hörerlebnis. Der Pulitzer und der Literaturnobelpreis gehen an Saul Bellow. Rainer Werner Fassbinder gerät wegen der Darstellung der jüdischen Hauptfigur seines Theaterstücks 'Der Müll, die Stadt und der Tod' in Antisemitismus-Verdacht. Sämtliche Förderungen werden abgelehnt, Suhrkamp stoppt die Auslieferung. Dem Berliner U-Bahnhof Friedrichstraße wird der Bahnhofstitel aberkannt. Es war ein Fußgängerübergang vom Westen in den Osten der getrennten Stadt und gleichzeitig der einzige von West-Berlin erreichbare Ort, an dem man zollfrei Zigaretten und Alkohol kaufen konnte.
(Ohne Mauer keine 20 Fahrminuten entfernt) trafen sich im September 1976 in der Charlottenburger Carmerstr. 10 die Frauen und Männer, die noch nichts mit unserem Kinderleben zu tun hatten, aber uns später die Welt bedeuteten, um die Eröffnung eines kleinen, feinen Ladens und die Umsetzung eines spannenden Projekts zu feiern. Schriftsteller und Kulturschaffende, darunter Heinrich Böll, Oskar Pastior, Ingeborg Drewitz, Gerlind Reinshagen, Uwe Johnson, Walter Kempowski, Marianne Frisch, Vicco v. Bülow, Allen Ginsberg, Elias Canetti, Hildegard und Reinhard Baumgart, Elfriede Jelinek, Peter Bichsel, Wolfgang Hildesheimer, Brigitte Kronauer, Tankred Dorst, Friederike Mayröcker, Ernst Jandl, Urs Jaeggi, Uwe Timm, Margarete Mitscherlich, Klaus Staeck, Wolf Lepenies, Elisabeth Plessen, Walter Höllerer, Peter Weiss, Klaus Wagenbach, Martin Walser und viele Engagierte mehr, beschlossen Ende der 70er Jahre, dass es Zeit war, dem Trend der Großbuchhandlungen und Stapelware etwas entgegenzusetzen, waren schon zur Eröffnung oder wurden im Laufe der Jahre Mitglied in dieser illustren Künstlersozietät. Gemeinsam wollten sie sich gegen die allgemeine Verflachung des Buchhandels und für die Stärkung des Besonderen und Essentiellen stark machen. Literatur als Kunst einen geschützten Raum, Weltliteratur eine neue, unbedingte Heimat geben. So gründeten die Schriftsteller mit einmaliger finanzieller Eigenbeteiligung, viel Rat und Tat die autorenbuchhandlungen in München, Frankfurt und Berlin.
In seiner Eröffnungsrede auf dem berühmten grünen Kachelofen betonte Günter Grass neben dem literarischen aber auch das kaufmännische Geschick. Der Fuchs wusste schon damals, dass die Jagd beim Bau losgeht und befürwortete als Standort immer die „City“. Den Buchhändlern Helma von Kieseritzky und Thomas Kühne wünschte er Ausdauer und Einfallsreichtum, den Kunden der autorenbuchhandlung als Lesern „jenes konzentrierte Vergnügen, das einzig die Literatur bieten kann“. Es zeigte sich, Literaten sind wahre Geschichtsschreiber.

Schnell etablierten Schriftsteller und Buchhändler die autorenbuchhandlungberlin zu einem Ort besonderer Zufälle. Sie wollten politisch alphabetisieren, aufklären, unterhalten. Aber anders. Es ging nie nur um Gefallen. Vielmehr sollte die publizistische Autonomie im Literaturbetrieb wach gehalten werden. Zeitereignisse wurden diskutiert. Autoren-, Verlags- und Zeitschriftenporträts vorgestellt. Hörspielabende. Und immer wieder Lesungen. Ingo Schulze mit „Neue Leben“(2007), Friedrich Wilhelm von Sell mit „Mehr Öffentlichkeit“(2006), Lars GustafssonDer Dekan“ (2004), Friedrich Christian DeliusMein Jahr als Mörder“ (2005), Heinz Berggruen „Die Giacomettis und andere Freunde“ (2005), Hanns Zischler „Kafka geht ins Kino“ (1996), Jorge Semprún „Was für ein schöner Sonntag“ (1983), Klaus Wagenbach „Kafkas Prag“ (1993), Gert Loschütz „Diese schöne Anstrengung“ (1980), Wolf LepeniesDie drei Kulturen“ (1985), Sibylle LewitscharoffPong“ (1998), Wolfgang KohlhaaseSilvester mit Balzac“ (1979), Michael Krüger „Idyllen und Illusionen“ (1989), György Konrad „Geisterfest“ (1986), Ernst Jandl „Die Bearbeitung der Mütze' (1979), Umberto EcoDer Name der Rose“ (1982), Ingeborg Drewitz „Oktoberlicht oder Ein Tag im Herbst“ (1981), Thea DornDie Hirnkönigin (2000), Jacques Derrida „Telepathie“ (1982), Alfred Brendel „Fingerzeig (1996), Isabel AllendeDas Geisterhaus' (1984), Günter GrassDie Rättin“ (1986), Hans SahlDas Exil im Exil“ (1990), Marica Bodrozic Das Gedächtnis der Libellen' (2010), Ulrich PlenzdorfLegende vom Glück ohne Ende“ (1976), Oskar Pastior „Ingwer und Jedoch“ (1985), Susan SontagIch,etc.“ (1988). Zu wenig Platz, um sie hier alle zu listen. Die Genannten können nur Beispiele sein. Um Herz und Verstand kreisen sie uns alle.

Seit der Gründung stecken alle Mitarbeiter ihr Herzblut in die Berliner autorenbuchhandlungberlin und sorgen mit ihrem Engagement für ein Literaturverständnis unserer Zeit. Unseren Vorgängern Helma von Kieseritzy und Thomas Kühne mit ihren Mitarbeitern Ulla Biesenkamp, Anke Knieper, Christa Wehlam, Olaf Blöcker, Wolfgang Koch und unzähligen engagierten Praktikanten verdanken wir die feste Grundlage.

Anfang 2008 traten wir die Nachfolge der Kollegen an. Freuten uns, dass die eigentlichen Gründungsmitglieder in Joachim Fürst und Marc Iven die passenden Nachfolger sehen, die sie seit Mitte der 90er als die Buchhändler aus der Akademie der Künste kennen. Wohl wissend, dass sich gerade die Literatur im Wettstreit mit immer neuen Informations- und Unterhaltungsangeboten, kurzlebiger Konsumentenpraxis und dem stetig wachsenden Verkauf via Internet sieht. Wir autorenbuchhändler wollen uns dem stellen und werden Titel, die wir für unverzichtbar halten, weil sie den Humus unserer Kultur bilden, noch Jahrzehnte nach Ihrem Erscheinen ins Sortiment nehmen. Sie können nur gewinnen. Lesen ist keine Modeerscheinung, sondern eine Haltung.

Neugierig, aber auch kritisch, wohlwollend, aber auch wertend ist Literatur eine universelle Gastgeberin, die andere Künste zum fruchtbaren Austausch auf ihre Seiten bittet. Sie ist uns darin Vorbild, spornt uns an. Nach ihrer Lesart wollen wir auch zukünftig mit Autoren und Künstlern bei Veranstaltungen auf literarische Entdeckungsreisen gehen. Mit dem Wind, aber auch gegen den Strom.

Und im Juli 2012 war es soweit: „Hin zum Platz!“ lautete die Parole 1976, wir haben nach 35 Jahren die unbestritten schöne Carmerstraße verlassen und voller Freude die neuen Räume im Else-Ury-Bogen am S-Bahnhof Savignyplatz bezogen.

Bleiben Sie uns gewogen oder werden Sie uns treu!


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Kartenvorverkauf

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Wir sind für Sie da:

autorenbuchhandlung berlin am S-Bahnhof Savignyplatz
Else-Ury-Bogen 600-601, 10623 Berlin, Telefon 030 - 313 01 51

Montag bis Freitag 10.30 bis 20 Uhr   
Samstag 10.00 bis 19 Uhr


Papeterie in der autorenbuchhandlung
Else-Ury-Bogen 599, 10623 Berlin

   
   

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